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Felix
Anmeldungsdatum: 15.09.2007 Beiträge: 108
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Verfasst am: 01.09.2008, 21:22 Titel: Größere Bälle? Höhere Netze? |
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Visionärer Blick in die Zukunft
ITTF-Präsident Adham Sharara im ausführlichen Interview auf de.ittf.com: “Für Europas Tischtennisspieler ist jede Regeländerung eine große Chance, China näher kommen zu können.”
Der Kanadier Adham Sharara ist einer der mächtigsten Sportpolitiker der Welt. Als Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF steht er 205 Mitgliedsverbänden vor. Im Interview für de.ittf.com spricht der Visionär nach Ende der Tischtennisbewerbe über Chinas Dominanz, Europas Fehler und nahende Regeländerungen.
Herr Sharara, wie zufrieden waren sie mit den Olympischen Spielen in Peking?
Eigentlich sehr, auch wenn zu Beginn nicht alles perfekt gelaufen ist. Das Licht hier war nicht optimal und das Beijing Gymnasium wurde zu Universitätszwecken gebaut. Hier gab es sogar im Keller ein Schwimmbad. Die Halle ist ideal, um viele Sportarten darin auszuüben. Für Tischtennis-Events war sie an den Tagen, an denen wir auf acht Tischen spielen mussten, aber zu klein. Aber alles, was wir von den Organisatoren haben wollten, haben wir sofort bekommen. So gesehen haben wir es mit einer perfekten Organisation zu tun gehabt. Ich bin aber aus ganz anderen Gründen nicht sehr glücklich?
Und zwar?
Die Ergebnisse tun mir als Weltpräsident weh. Dass die Team-Events von China dominiert würden, war ja absehbar, dass aber auch alle Medaillen im Einzel an China gehen, ist nicht gut für unseren Sport. Und dass Jörgen Persson mit seinen 41 Jahren der einzige Nicht-Chinese im Semifinale war, das ist eine Aussage, die mir nicht gefällt. In Europa läuft derzeit vieles nicht gut.
Was meinen sie konkret?
Ich fürchte Europa hat ein Problem auf dem Trainersektor und ein Problem im Training an sich. Vor wenigen Wochen hatte ich die Gelegenheit ein Training chinesischer Spieler zu beobachten. Das ist eine andere Welt als im Rest der Welt. Der Coaching-Level in China ist höher als in Europa. Ich glaube, dass Europa versuchen sollte, sich mehr auf die Ausbildung junger Spieler zu konzentrieren. Daher habe ich auch große Hoffnung in die Academy von Werner Schlager, die in Schwechat entsteht. Europa muss schauen, dass die jungen Spieler früher ein höheres Niveau erreichen. Auch Europas ehemalige Topspieler wie Waldner, Gatien oder auch Stellan Bengtsson waren mit 18 oder 19 schon absolute Weltspitze. Das vermisse ich heute. Ich sage auch ganz ehrlich, mich hat Deutschland bei diesen Spielen etwas enttäuscht.
Aber Deutschland hat Silber im Teambewerb geholt. Darüber wäre Österreich sehr glücklich gewesen.
Stimmt schon, aber Österreich hat man nicht im Spiel um Bronze erwarten dürfen. Österreich hat die Erwartungen übertroffen und sehr gut gespielt. Vor allem Robert Gardos hat mich sehr beeindruckt hier. Er war schon früher ein guter Spieler, aber hier hat er die nächste Stufe erreicht.
Und was hat Ihnen an Deutschland nicht gefallen?
Dass ich nach dem Einzug ins Teamfinale irgendwie den Eindruck hatte, dass die Mannschaft samt Betreuer damit sehr zufrieden war. Und das war auch ein schöner Erfolg. Aber ich habe das unbedingte Gefühl vermisst, dass Deutschland China echt attackieren und besiegen will. Nicht, dass sie nicht gekämpft hätten, aber irgendwas hat mir gefehlt. Ich habe das auch den deutschen Funktionären gesagt.
Drückt Chinas Dominanz im internationalen Tischtennis auf die TV-Quoten und die Laune der Sponsoren?
Nein, absolut nicht. Die Sponsoren wollen sich im Fernsehen wieder finden und das tun sie vor allem bei Weltmeisterschaften und beim Weltcup oder bei Turnieren in ausreichendem Maße. Und die Fernsehzahlen hier in China waren eine Sensation für unseren Sport. Ich habe soeben die Einschaltziffern der ersten Woche bekommen und da war Tischtennis in China an vier von sieben Tagen die Nummer 1. Das ist toll für unseren Sport und eine große Chance für die Zukunft.
Und was kann man jetzt wirklich tun, um zu verhindern, dass China weiter davonläuft?
Ich habe noch hier in China sehr wichtige Gespräche. Vor allem auch mit den Chinesen. Ich will eine Öffnung Chinas zu Gunsten unseres Sports. China muss begreifen, dass sie ihrem eigenen Sport schaden, wenn die Dominanz erdrückend wird. Dann verlieren die Zuschauer das Interesse. Ich will einen ständigen Austausch am Trainersektor erreichen. Ich will, dass Erfahrungen ausgetauscht werden zwischen China und dem Rest der Welt. Und die Trainingseinstellung der Europäer muss sich ändern.
In welcher Beziehung?
Als ich beim Training in China war, gewann ich den Eindruck, dass sich die Spieler freuen, wenn die Belastungen größer werden. Dort ertragen sie ganz andere Belastungen. Und es würde nie passieren, dass, so wie ich es in Europa schon beobachtet habe, Spieler ein Training bestreiten, ohne dass ein Trainer daneben steht. Und vor allem: In Europa hören sie mit dem Training auf, wenn sie müde sind. Das ist eine Mentalitätsfrage und ein Frage der Motivation, die auch von den Trainern kommen muss. Abgesehen davon arbeiten Trainer in Europa zu lange am selben Fleck. Ich kann das nicht mehr sehen, wenn Trainer 20 Jahre lang ein- und dieselbe Nationalmannschaft trainieren. In China herrscht das Prinzip, alle sechs Jahre die Trainer zu tauschen, um zu verhindern, dass sie ausbrennen. Und Europa braucht mehr junge Coaches. Spieler, die es nicht ganz hinauf schaffen, sollen schon früh als Trainer arbeiten. Die müssen mit Erfahrung und Kreativität ausgebildet werden. Daher vertraue ich eben auch sehr auf Werner Schlager und sein künftiges Zentrum, weil er eben einer ist, der alles gewonnen hat und viel weitergeben kann. Und wenn jüngere Menschen dann nach einer gewissen Zeit in ihrem Job als Trainer ausscheiden, sind sie immer noch jung genug, etwas anderes zu tun. Ein Mensch, der mit 55 als Trainer aufhört, bekommt nicht so leicht einen neuen Job.
Die ITTF hat in den letzten Jahren viele einschneidende Regeländerungen vorgenommen. Stehen weitere Änderungen an?
Wir sollten uns ständig weiter verbessern. Keine Veränderung der Veränderung wegen, aber es gibt noch viele Möglichkeiten.
Welche?
Die Vergrößerung der Bälle von 38 Millimeter auf 40 Millimeter hat unserem Sport gut getan. Die Spieler beklagen zurecht, dass die Qualität der Bälle darunter gelitten hat. Da setzen wir den Hebel an. Wir haben bereits 42-Millimeter-Bälle in Versuchsreihen und warten einmal die Ergebnisse ab. Abgesehen davon bin ich durch intensive Messungen draufgekommen, dass es ohnedies keinen einzigen 40-Millimeter-Ball auf dieser Welt gibt. Alle sind knapp über 39,5 Millimeter und so. Und natürlich ist die Erhöhung des Netzes um bis zu einen Zentimeter immer ein Thema. Es steht für mich aber auch fest, dass wir keine nächste Regeländerung angehen, bis die Spieler ausreichend die Gelegenheit hatten, sich an die neuen Gegebenheiten bedingt durch die neue Kleberregelung ab Herbst zu gewöhnen.
Sollen das Netz höher und die Bälle größer werde, um das Spiel langsamer und nachvollziehbarer zu machen?
Ja, ich will die Verteidigungsspieler in unseren Sport zurückholen. Das ist attraktiv. Und ich will erst dann aufhören, unseren Sport weiter zu entwickeln, wenn die Menschen in Kanada, in Deutschland oder bei euch in Österreich die Spieler auf der Straßen um Autogramme bitten. Wenn sich die TV-Stationen um die Übertragungsrechte streiten, wenn alle Hallen gerammelt voll sind. Erst wenn all das geschafft ist, dürfen wir zufrieden sein und mit der Weiterentwicklung unseres Sports zwischenzeitlich aufhören.
Aber die Spieler reagieren oft ablehnend auf die Regeländerungen.
Und das verstehe ich nicht. Zum einen hat sich 64 Jahre in unserem Sport gar nichts verändert und gerade jetzt müssen doch vor allem die Europäer total glücklich sein, wenn sich was ändert. Sie müssen positiv in dieses Themen hineingehen, weil jede Änderung die Chance bietet, China näher zu kommen, als es derzeit der Fall ist. Mir fällt da ein nettes Beispiel ein.
Welches?
Als wir die Sätze seinerzeit von 21 auf 11 Punkte verkürzt haben, hat Werner Schlager beim darauf folgenden Weltcup nicht gut gespielt. Sein Trainer Ferenc Karsai hat mir selben Abend noch vorgeworfen, den Tischtennissport umzubringen. Wenig später wurde Werner 2003 in Paris Weltmeister in einem Turnier, in dem auf 11 Punkte gespielt wurde. Das meine ich. Europäer müssen ihre Mentalität ändern und positiver denken.
In Peking wurden im Tischtennis Einzel- und Mannschaftsbewerbe ausgetragen. Wird es das gleiche Programm 2012 in London geben?
Ich will schon sehr bald zunächst ITTF-intern und dann mit dem IOC Änderungswünsche von meiner Seite diskutieren. Ein Einzelbewerb mit maximal zwei Spielern eines Landes zu Beginn der Tischtennisbewerbe. Damit verhindert man schon mal, dass ein Land wie hier China alle Medaillen abräumt. Dann will ich einen Teambewerb, weil der emotional der Höhepunkt ist und hier auch war. Da kommt es zum Duell zweier Länder. Das polarisiert mehr als ein innerchinesisches Endspiel im Einzel. Und ich will wieder einen Doppelbewerb mit 16 Paaren und nur einem Doppel pro Nation. Wir werden das diskutieren und dann weiter sehen. Grundsätzlich hat der Tischtennissport große Zukunftschancen. Wir müssen sie nur nutzen. |
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